Du sollst auch deine Feinde lieben

Hier finden Sie die gereimte Predigt von Pfarrer Markus Schürrer zum 7. Sonntag im Jahreskreis A 2023 zum Nachlesen, untenstehend als pdf zum Download und Ausdrucken.
Gott sei Dank, was für ein Glück, rechtzeitig zum Faschingssonntag bin ich wieder zurück,
um Euch in gereimter Form das Wort Gottes zu verkünden, was die einen mögen, die andern eher überflüssig finden.
Dabei hab ich mir in den vergangenen Wochen, ernsthaft den Kopf darüber zerbrochen,
ob ich, angesichts der großen Not auf dieser Erde, am Ende wirklich reimen werde.
Vielleicht wird die Predigt heuer daher ernster und nachdenklich stimmen, sich ein klein wenig mehr auf das Wesentliche besinnen,
das beginnt schon beim Evangelium denn, was Jesus da von seinen Jüngern und auch von uns verlangt, das ist doch wirklich allerhand.
Wenn dir einer auf die rechte Backe schlägt, also ich mein die im Gesicht, dann soll man ihn weder ziehen vor Gericht,
noch ihm im Sinn „Aug um Aug“ selber eine schmieren, sondern auch auf die andere Backe noch eine kassieren.
Der Gipfel aber, der kommt zum Schluss, wenn Jesus sagt, dass man seine Feinde lieben muss.
Sie zu ignorieren, dazu wäre mancher noch bereit, doch sie zu lieben, das geht eindeutig zu weit.
Jetzt kommt bei mancher Predigt die Stelle, wo der Prediger mal eben spricht auf die Schnelle,
„naja, das ist ja alles nicht so, wie es scheint, das hat Jesus alles gar nicht so ernst gemeint.“
Doch, hat er, wortwörtlich und ganz konkret, ganz so, wie es beim Evangelisten Matthäus geschrieben steht.
Es bleibt allerdings die Frage, wie wir Jesu Worte deuten, und sie übertragen ins Hier und Jetzt und Heute.
Wenn seine Botschaft nicht hat das Bestreben, sich blind in sein gewaltsames Schicksal zu ergeben,
dann hatte Jesus vielleicht weniger die Gewalt als eher den folgenden Appell im Blick: kehrt in allen Dingen zur Solidarität, zum Frieden und vor allen Dingen zur Menschlichkeit zurück.
Doch es ist beim Evangelium heute wie bei vielen anderen Gedankengängen, wir Menschen bleiben eher bei den negativen Dingen hängen,
vermuten hinter allem zunächst das Düstere und Schlechte, und pochen vor allem auf die eigenen Rechte.
Erinnert Ihr Euch noch, wie es war vor drei Jahren, als wir wegen Corona alle in unseren Wohnungen waren,
als man plötzlich viel Zeit hatte und ganz ungezwungen auf den Balkonen hat miteinander manchmal mehr, manchmal weniger gut gesungen?
Vom Beginn einer neuen Menschlichkeit war sogar die Rede, vorbei sein sollten Ichsucht, Unmenschlichkeit und jede Art von Fehde,
doch nach den drei Jahren Pandemie, da stellt sich nun deutlich raus, sieht es bei uns Menschen beinahe noch schlimmer als vorher aus.
Es scheint, als wäre diese Zeit in den vergangenen Jahren, manchen etwas zu sehr in den Kopf gefahren,
die meinen, es müsste sich alles um sie alleine kreisen und ihre Themen, während sie selber auf keinen anderen Menschen Rücksicht nehmen.
Buckeln nach oben und nach unten wird getreten, machen andere fertig, um die eigene Haut zu retten,
die fünf wichtigsten Menschen, die diese Menschen lieben und zwar ganz inniglich, diese Menschen tragen die folgenden Namen: ich, ich, ich, ich und ich.
Eine zweite Beobachtung: in Debatten und Diskussionen, gibt es nur noch weiße oder schwarze Positionen,
dazwischen gibt es scheinbar nichts mehr, was gelten darf, ein Kompromiss, auf keinen Fall, gar kein Bedarf!
Das gilt zum Beispiel für die Haltung im furchtbaren Russland- gegen die Ukraine-Krieg. Fragt man sich da mit Sorge, nur für sich, mit angstvollem Blick,
ob statt der Lieferung schwerer Waffen man sollte nicht die Verhandlungen vorantreiben eher, wird man sofort bezeichnet als Ukraine-Feind und Putin-Versteher.
Das Ganze wird dann noch garniert, wenn man nicht mehr differenziert,
sondern wenn von Menschen oder Gruppen ganz sonderbar, ist auf einmal nur noch die Rede von „denen da“.
Dann ist die oder der Einzelne plötzlich gar nicht mehr so wichtig, dann geht die Post ab und zwar so richtig,
dann bläst man denen da oben und unten und drüben den Marsch, alles dasselbe Pack, alles die gleiche Bagage.
Überhaupt scheint es so, als würde Vielen etwas fehlen, könnten sie sich mal eine Zeit über gar nichts beschweren,
für die da ist es gut, wenn ständig gejammert wird und gemotzt und geklagt, ups, ertappt, ich gestehe, jetzt habe ich auch „die da“ gesagt.
Übrigens auch werden meist unter dem Wort „die Kirche“ wir alle zusammen genannt, und man hat sofort negative Gedanken bei der Hand.
Ja, es gibt die Kirche als große Glaubensinstitution und doch sind wir weit mehr als man es uns vorwirft - eine Täterorganisation.
Es gibt Probleme und Schuld und große Lumpen, kein Zweifel, keine Frage, und es gibt jene, die in eben dieser Kirche, Tage um Tage,
sind besonders im Ehrenamt unermüdlich für die frohe Botschaft engagiert, die man schon fast boshaft mit dem Wort „die da“ versieht.
Und noch was, bei dieser Gelegenheit, möchte ich mal aufräumen mit einer Unwahrheit,
die durch Wiederholung wird nicht besser und auch nicht wahrer, es geht rückblickend um das Verhalten der Kirche in den Corona-Jahren.
Manchmal wird da in der öffentlichen Meinung zur Sprache gebracht, die Kirche hätte es sich in dieser Zeit zu leicht und damit aus dem Staub gemacht,
wer dem glaubt, der hat in diesen Jahren vermutlich einiges verdrängt oder vergessen, oder ist einer großen Lüge aufgesessen.
Es mag sein, dass man auch bei uns wie in vielen Bereichen, auch im Staat, in manchen Dingen falsch gehandelt hat,
aber welcher Mensch und welche Institution, hatte schon große Erfahrungen mit so einer Situation.
Es ist halt so eine Sache, wenn man keine Verantwortung muss tragen, kann man leicht mal schlaue Sprüche aufsagen,
und um dem Verantwortungsträger noch eins reinzuwürgen mit großer Lust, sagt man hinterher, siehst du, das hab´ ich doch gleich gewusst.
Natürlich kann und will ich nicht für die Kirche als Ganzes sprechen, das steht mir nicht zu, das wäre vermessen,
ich kann nur etwas für die Kirche in unserem Seelsorgebereich Main-Itz erklären, und mich gegen den Vorwurf des Nichtstuns und verschlossener Türen wehren.
Die Türen aller unserer Kirchen waren vom ersten Tag an offen, und auch sonst waren wir da, um mit den Menschen zu beten und zu hoffen,
haben durchgehend beerdigt und mit den Angehörigen Kontakt gesucht, und die Sterbenden in unseren Heimen auch unter erschwerten Bedingungen zur Krankensalbung besucht.
Haben Videos gedreht und Hausgottesdienste geschrieben, mit vielen telefoniert, die zuhaus geblieben,
haben immer wieder neue Ideen aus der Taufe gehoben, und auch für Kinder die ein oder andere Aktion geboten.
Haben, sobald es möglich war, viel gegrübelt und nachgedacht, und mit der Hilfe unzähliger Ehrenamtlicher wieder Gottesdienste möglich gemacht.
Ich denke nur an den Aufwand mit den Karten an Weihnachten, um möglichst vielen das Mitfeiern der Geburt Jesu möglich zu machen.
Vielleicht war nicht alles richtig, dem einen viel zu wenig, dem andern viel zu viel, aber auch hier galt immer: die gesunde Mitte ist das Ziel.
Doch wer meint, die Kirche habe bei uns vor Ort nichts gemacht oder zu wenig vertraut, sagt das entweder aus Bosheit oder hat nicht gut genug hingeschaut.
Wieder weg von der Kirche, wo waren wir im Skript, ach ja, beim Umgang, den es heute zwischen den Menschen gibt.
über das Gespräch, den offenen und fairen Dialog, der oft fehlt, und eher das Über- statt Miteinanderreden zählt.
Lieber wird dem anderen das Wort im Munde umgedreht, so wird einem echten Gespräch jeder Erfolg von vornherein verwehrt,
und wenn für jemanden schon am Anfang feststeht, was hinten herauskommen muss und wie, nennt man das nicht Dialog, sondern Ideologie.
Dazu kommen Menschen, die Freude daran haben, wenn andere Menschen Ängste plagen,
die profitieren, wenn diese möglichst stark verunsichert bleiben, und sie durch Hetze, Ängste und Fehlinformation noch weiter auseinandertreiben.
„Divide et impera“ war schon das Motto der römischen Kaiser und die Menschen sind nach so vielen Jahren noch immer nicht viel weiser,
„Divide et impera“, sicher ist mancher über eine Übersetzung froh, sie lautet ungefähr: stifte Unfrieden unter den Menschen und beherrsche sie so.
Dabei wäre der Mensch doch eigentlich ein Wesen mit Vernunft und Verstand und hätte ein gutes Leben für alle in der Hand,
doch das was derzeit geschieht, hat mit Feindesliebe nicht viel zu schaffen, es scheint fast so, als entwickelte sich der Mensch eher wieder rückwärts zum Affen.
Dazu die gestiegenen Preise bei Lebensmitteln und der Energie, nicht wenige Menschen fragen sich heute, wie
wird mein Leben und das meiner Familie weitergehn, ehe die Bank mir wird den Geldhahn zudrehn.
Auch die Bilder des Erdbebens in Syrien und der Türkei, der vielen Opfer und Toten reißen einem das Herz entzwei,
wer da gefühlskalt fragt, was uns denn bitteschön alle Not dieser Welt interessiert, der hat den Zusammenhang leider noch nicht ganz kapiert.
Dass zwischen Reichtum und Armut auf unserer Erde ein direkter Zusammenhang besteht, weil es den Reichen immer besser, den armen Schluckern immer ärmer ergeht,
das ist so in unserer Welt, aber auch in unserem Land, es zu verändern liegt nicht ausschließlich in politischer Hand.
Natürlich können wir den großen Gang dieser Welt nicht alleine verändern, doch wir können als einzelne mehr tun, als wir denken,
nämlich uns hin und wieder mal den Kopf zu zerbrechen, ob wir im Alltag dem Willen Jesu entsprechen.
Schon klar, alle können und müssen nicht gleich miteinander Freunde sein, doch zum Anfang wäre es ja schon mal fein,
wenn man über die Feinde nichts Gutes zu sagen weiß, wenigstens schweigen würde und wäre leis.
Jesus sagt uns, mit dem Frieden kann nur etwas werden, wenn wieder mehr gehört und geschwiegen als geredet wird auf Erden.
Damit ich Euch hierin gleich mal ein gutes Beispiel bin, setz ich mich jetzt einfach ganz still und wortlos wieder hin.
Zugabe für Kommunionkinder
Weil Ihr Kinder heute so lange geduldig ward, sowohl Große wie auch Kleine, bekommt ihr noch ein paar wenige Extra-Reime,
damit auch ihr ein wenig versteht, worum es Jesus in der Geschichte von heute geht.
Es ist zwar noch zwei volle Monate Zeit, aber stell dir mal vor, es wäre schon so weit
und wir feiern deine Erstkommunion, der Gottesdienst ist aus, du freust dich schon,
noch ein paar Fotos, hier lächeln und da, schau nicht so ernst, was denkt sonst die Oma,
dann geht es endlich ins Lokal oder nach Haus, denkst schon daran, wie du packst die Geschenke aus.
Freust dich schon auf das Essen öffnest die Tür und erschrickst, traust deinen Augen nicht, denn am Tisch sitzt,
ein Mensch, den du so überhaupt nicht leiden magst, du rennst zu Mama und Papa und fragst:
Wer hat denn bitteschön den da eingeladen? Warum habt ihr das gemacht, ohne mich zu fragen?
Deine Eltern meinen, das ist nun mal Verwandtschaft, da können wir nichts machen, jetzt mach mal nicht so einen Aufstand wegen einer solchen Sache.
Jetzt hast Du die Wahl, je nachdem wie man es mag, entweder ärgerst du dich und bist ein Stinkstiefel den ganzen Tag,
oder du denkst an das Wort von Jesus, von dem im Evangelium steht geschrieben, du sollst auch deine Feinde lieben.
Den Feind lieben, kann in diesem Falle vielleicht heißen, in den sauren Apfel hineinzubeißen,
sich über den Gast nicht zu ärgern und rumzueiern, sondern einfach trotzdem ein schönes Fest zu feiern.
Denn die Moral von der Geschichte, die ist leicht, sie gilt ganz schlicht für Kinder und für Erwachsene gleicherzeit,
sie klingt so einfach und ist doch so schwer, sie zu beachten lohnt sich aber, hört gut her:
Willst du möglichst unglücklich sein in deinem Leben, musst du viele Feindschaften pflegen.
Willst du dagegen glücklich sein, lass den Streit mit deinen Feinden sein.